by Kinderleibundseele

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Für immer schwanger – die hoffentlich letzten Tage meiner Schwangerschaft

Wenn man zu denjenigen Frauen gehört, die nicht nur gerne schwanger sind, dann kann sich so eine Schwangerschaft ziehen wie Kaugummi.

Ich stecke mitten in den letzten Wochen: Mutterschutz. Für viele Frauen eine lang erwartete Erlösung, endlich aus dem stressigen Berufsalltag befreit zu werden und die Beine hochzulegen.

Vorteile dieser Zeit sind eindeutig: ich werde mit dem Mitgefühl empfangen, das mir gefühlt schon die ganze Schwangerschaft zusteht, denn momentan ist es offensichtlich: eine Schwangerschaft ist nichts Einfaches. Man bringt mir Stühle, schaut mitleidig, wenn ich mich ächzend setze und kann sich gut erinnern, dass diese letzten Meter nicht leicht waren.






Ich bin besser drauf denn je, denn trotz all der Wehwehchen euphorisiert mich der Gedanke, dass ich meinen Bauch bald los bin und ein großer Teil geschafft ist. Die großen Sorgen, dass der Kleine zu früh kommen könnte, muss ich mir nun nicht mehr machen. Im Gegenteil: jeden Tag beschwöre ich ihn doch schon jetzt in diese schöne Welt hinauszutreten und mir die letzten Wochen zu sparen. Ich höre geburtsförderndes Mentaltraining, nehme jede Treppe mit großen Schritten, trinke trotz fehlender Studienlage literweise Himbeerblättertee und lasse mir geburtsfördernde Akupunkturnadeln in den kleinen Zeh rammen.

„Genieß diese letzte Zeit“, wird mir wohlwollend geraten. „Schlaf dich nochmal richtig aus! Mach einen Beautytag! Seid noch einmal ganz bewusst zu zweit! Mach nochmal alles das, was du bald nicht mehr tun kannst. Les ein Buch! Geht nochmal so richtig schön essen. “ Dahinter erfolgt dann in der Regel eine Zeitangabe, wie lange diejenige Mutter nicht mehr in Ruhe geduscht hat (Monate!), wie lange sie kein Buch mehr gelesen hat (Jahre!), wie lange sie nicht mehr zu zweit mit ihrem Mann essen war (ebenfalls Jahre!).

Diese letzten Meter der Schwangerschaft und angeblich die letzten Tage meines freien Lebens zu genießen, ist mit der Trommel vorne dran nicht so einfach.

Ich bin mir sicher, diese Tage sind deswegen so beschwerlich, damit einem der Gedanke an die Geburt wie eine Erlösung vorkommt. Was zu Beginn der Schwangerschaft noch gut von mir verdrängt wurde, wird nun herbeigesehnt. Bei jedem kleinen Ziehen im Bauchbereich halte ich inne und hoffe, dass das die erste Wehe war. Bis jetzt leider Fehlanzeige.

Also versuche ich die letzten Tage „meiner Freiheit“ zu genießen. Ich gehe mit meinem Mann trotz Sodbrennen essen und bin nach drei Gabeln satt. Ausschlafen soll ich mich. Dieser Ratschlag kommt vor allem von Vätern, die nicht wissen wie es ist mit 10 kg vorne dran sich von einer Seite auf die andere zu drehen. Die nicht wissen, dass man mindestens dreimal nachts auf die Toilette rennt um dann doch nicht zu müssen. Einen Beautytag möchte ich dann machen, wenn ich wieder meine Zehennägel sehen kann und ich Aussicht habe auf eine schöne Feier, für die sich der lackierte Zehennagel lohnt.

Was ich aber genießen kann, ist die Vorfreude auf den kleinen Mann, der bald in unser Leben tritt. Dass wir noch zu den werdenden Eltern gehören, die sich ganz siche sind, den Bogen raus zu haben und alles anders zu machen, als die gestressten Eltern von nebenan, die man seit der Geburt ihres Kindes nicht mehr zu Gesicht bekommen hat. Noch zwinkern wir uns wissend zu, wenn andere Eltern von dem Wandel ihres Lebens erzählen und sind uns ganz sicher: wir werden locker, wir werden jeden Tag duschen und Haare waschen, unsere Wohnung wird nicht im Chaos versinken!

Ihr hört von mir- wahrscheinlich in einem nächsten Blogpost, in dem es darum geht, wie ich das Wochenbett und die ersten Monate unterschätzt habe und warum es völlig in Ordnung ist, eine Woche die Haare nicht zu waschen.