Was kann der Nestschutz und wo sind seine Grenzen?


Das Immunsystem der Babys entwickelt sich bereits auf erstaunliche Weise im Mutterleib und ist bei der Geburt schon gut entwickelt. Um Neugeborene aber noch besser zu schützen, hat die Natur sich den Nestschutz ausgedacht, der Neugeborene vor Infektionskrankheiten eine gewisse Dauer schützen kann. Die Mutter gibt noch vor der Geburt des Kindes ihre Antikörper gegen diejenigen Infektionskrankheiten, gegen die sie selber Antikörper entwickelt hat oder die sie durch eine Impfung erworben hat an ihr ungeborenes Baby weiter. Die Immunität der Mutter wird also für eine gewisse Zeit an das Baby ausgeliehen- man spricht deswegen auch von Leihimmunität.


Es ist ein Irrglaube, dass das Baby gegen alle möglichen Erreger in den ersten Lebensmonaten geschützt ist. Es ist nur gegen die Krankheiten geschützt, gegen die die Mutter auch Antikörper entwickelt hat. Je nach Art der Antikörper ist das Neugeborene unterschiedlich gut geschützt. Zum Beispiel geht man davon aus, dass die Babys nur unzureichend gegen Keuchhusten geschützt sind (und empfiehlt deswegen nun eine späte Impfung in der Schwangerschaft) und gegen Masern ca. 6 Monate. Der Nestschutz ist sozusagen die Abwehr-Grundausrüstung des Babys.

Ergänzt wird die Abwehr-Grundausrüstung durch das Stillen, durch das IgA-Antikörper auf das Kind übertragen werden können. Die IgA-Antikörper schützen gut vor Magen-Darm-Infekten und sind eine wertvolle Erweiterung des Immunsystems, verlängert wird der Nestschutz durch das Stillen aber nicht.

Frauen, die sich mit Corona infiziert haben und somit Antikörper gegen das Virus entwickelt haben, scheinen diese Antikörper gegen SARS-CoV-2n Form von Nestschutz an ihre ungeborene Kinder weitergeben zu können. Zumindest liefert eine kürzlich veröffentlichte Studie erste Hinweise darauf. In dieser Studie zeigten bei 72 Babys von 83 Frauen, die das Virus durchgemacht hatten und somit Antikörper im Blut hatten, ebenfalls Antikörper fegen SARS-CoV-2.