Empfehlungen zur Fluoridprophylaxe bei Babys und Kindern bis 3 Jahre

In den letzten 30 Jahren ist dank verschiedener vorbeugender Maßnahmen das Auftreten von Karies bei Kindern deutlich zurück gegangen. Heute sind knapp 80 % der 12-jährigen kariesfrei, während es bei den 6 –7-jährigen ca. 50% sind.

Eine entscheidende Präventionsmaßnahme gegen Karies ist die regelmäßige Fluoridanwendung.

Fluorid ist ein Spurenelement und im Körper vor allem in Knochen und Zähnen zu finden, wo es für die Festigkeit dieser Strukturen sorgt.




Fluorid leistet einen essenziellen Beitrag zur Zahn- und Mundhygiene und wirkt auf unterschiedliche Weise vorbeugend gegen Karies:


Fluorid

- hilft beim Einbau von Calciumphosphaten in die Zähne und beschleunigt so die Remineralisation. Schwachstellen im Zahn werden also u.a. durch Fluorid ‚repariert‘, sodass Bakterien weniger Zeit haben, anzugreifen.

- bildet eine Art Schutzfilm um die Zähne und trägt zur Minimierung von Säureschäden bei

- wird in den Zahnschmelz eingelagert und schützt den Zahn dadurch auch ‚von innen‘.

- Fluorid greift Bakterien an bzw. stört deren Stoffwechsel


Die Richtwerte für die Fluoridgesamtzufuhr betragen je nach Alter zwischen 0,2 mg und 3,1 mg/Tag.

Quellen für Fluorid können angereichertes Trinkwasser oder mit Fluorid versetztes Speisesalz sein. Zwar enthalten auch Nahrungsmittel wie Fleisch und Fisch oder Getreideprodukte kleine Mengen Fluorid, allerdings zu wenig, um den täglichen Bedarf zu decken. Wer sehr viel schwarzen Tee trinkt, kann pro Tag sogar bis zu 1 mg Fluorid aufnehmen, da dieser besonders viel Fluorid enthält.

Deutschland ist ein Fluorid-Mangelgebiet, da unser Trinkwasser nicht fluoridiert ist und auch die Aufnahme aus der Nahrung nicht ausreicht. Deshalb muss Fluorid extern zugeführt werden.

Da die kariesprotektive Wirkung von Flourid vor allem während der Zeit der Zahnbildung relevant ist, also in den ersten 15 Lebensjahren, und Salz als Quelle insbesondere in den ersten Lebensjahren keine zufriedenstellende Lösung darstellt, gibt es alternative Vorschläge zur Supplementation in Tablettenform bzw. mittels Zahnpasta.


Lange Zeit waren die Handlungsempfehlungen nicht ganz einheitlich. Doch im Jahr 2019 wurden gemeinsame Empfehlungen ausgesprochen, an deren Entstehungsprozess sowohl Kinder- und JugendärztInnen als auch ZahnärztInnen, FrauenärztInnen und ErnährungsmedizinerInnen beteiligt waren.


Die Empfehlungen lauten wie folgt:


Von Geburt bis Zahndurchbruch


Säuglinge sollen von Geburt bis zum Durchbruch des ersten Milchzahns täglich ein Kombinationspräparat aus 0,25 mg Fluorid und 400-500 IE Vitamin D zu sich nehmen. (Falls Wasser mit einem Fluoridgehalt von 0,3 mg/l oder mehr zur Herstellung von Säuglingsmilch verwendet wird, fällt die zusätzliche Fluoridgabe weg)


Ab dem ersten Milchzahn bis zum ersten Geburtstag gilt

Entweder

2x täglich Zähneputzen mit einer reiskorngroßen Menge (0,125 g) fluoridierter Zahnpasta (1000 ppm Fluorid), zusätzlich eine Tablette Vit D 400-500 IE.

Oder

Weiterhin 0,25 g Fluorid und 400-500 IE Vit D als Kombinationspräparat in Tablettenform, zusätzlich 2x täglich Zähneputzen ohne Zahnpasta bzw. mit kleiner Menge fluoridfreier Zahnpasta


Ab dem 1. Bis zum 2. Geburtstag


2x täglich Zähneputzen mit einer reiskorngroßen Menge (0,125g) Zahnpasta (1000 ppm Fluorid)


Ab dem 2. Bis zum 3. Geburtstag


2x täglich Zähneputzen mit einer erbsengroßen Menge (0,25 g) Zahnpasta (1000 ppm Fluorid)


Neben der oben genannten stufenweise Vorgehensweise beim Zähneputzen beinhalten die Empfehlungen auch Hinweise zur Aufklärung von Eltern und Kindern bezüglich Mundhygiene und Zahngesundheit.


Sowohl bei den kinder- als auch bei den zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen sollen eine Aufklärung und Beratung stattfinden. Wichtig ist, Kinder behutsam ans Zähneputzen heran zu führen und die Zahnpasta genau zu dosieren.

Außerdem werden bei diesen Untersuchungen weitere Faktoren besprochen, die bei der Kariesentstehung eine Rolle spielen. Hierzu gehören die allgemeine Ernährung, speziell aber der Verzehr zuckerhaltiger Speisen und Getränke und das ‚Dauernuckeln‘ an Babyflaschen.


Weitere Details zur Zahnpflege im Baby- und Kleinkindalter findet ihr bald in einem separaten Blogartikel.


Und hier nochmal der Überblick:



Empfehlung

Geburt bis 1. Milchzahn

Kombinationspräparat

400 – 500 IE Vitamin D und 0,25 mg Fluorid (Ausnahme: Formulaernährung mit hohem Fluoridanteil im Wasser)


Bis zum 12. Monat

Möglichkeit 1:

Zähneputzen mit reiskorngroßer Menge fluoridierter Zahnpasta, zusätzlich Vitamin D oral


Möglichkeit 2:

Zähneputzen mit fluoridfreier oder ohne Zahnpasta, zusätzlich Vitamin D und Fluorid wie ab Geburt

12 – 24 Monate

2x täglich Zähneputzen mit reiskorngroßer Menge fluoridierter Zahnpasta (1000 ppm)

24 – 36 Monate

2x täglich Zähneputzen mit erbsengroßer Menge fluoridierter Zahnpasta (1000 ppm)